Karbon gegen Holz – und eine Insel, die vom Meersalz lebt.

„Und gleich spüren sie etwas, was sich wie Sterne anfühlt.“ Diesmal ist es Christian der auf der Liege im Krankenhaus von Great Inagua, unserem ersten Stopp in den Bahamas liegt und gerade die erste Betäubungsspritze oberhalb der Stirn spürt.

Nachdem wir eine etwas holprige Überfahrt von Santiago de Cuba hierher hatten, wobei wir immerhin die letzten 50sm direkt bis vor den Hafen endlich mal wieder segeln konnten, waren wir uns nicht ganz einig, ob wir besser vor dem winzigen Hafenbecken vor Anker gehen oder anlegen. Christian ist fürs anlegen, kommt aber mit den Vorbereitungen nur schleppend voran. Lydia möchte mit der Backbordseite anlegen, weil dies unsere Schokoladenseite ist (Radeffekt), Christian lieber mit Steuerbord, da dann der Wind von vorne durchs Schiff weht. Als wir ins winzige Hafenbecken einlaufen sehen wir 2 Wracks die eine Hälfte vom Becken ausmachen, also bloss schnell an die Kaimauer fahren und dort mit Steuerbord festmachen. Weder die Fender, noch die Leinen sind vorbereitet, aber irgendwie wird es schon gehen. Die Vorleine wird von einem Haitianer von dem sehr einfachen Schiff vor uns angenommen, also springt Christian an Land auf die hohe Kaimauer und gibt Lydia am Heck die Leine zurück.

Dann macht es plötzlich 2 mal „dock, dock“ und Christian geht in die Knie und fasst sich an den Kopf. Schnell wird klar, dass der Windgenerator ihn am Kopf erwischt hat und zwei tiefe Wunden in der Kopfhaut oberhalb der Stirn hinterlassen hat. Zufälligerweise ist gerade Tyrone, der auf der Insel lebt, am Hafen mit seinem Auto vorbei gekommen und nimmt Christian sofort mit zur Krankenstation. Lydia hat zum Glück viele Helfer vom Nachbarboot, um das Schiff fertig anzulegen. Die Krankenstation ist bei nicht einmal 1000 Inselbewohnern entsprechend klein und die Krankenschwester hat schon Feierabend und ist Bird-Watching, kommt aber nach einem Anruf ein paar Minuten später im Camouflage Anzug angerollt.

Mit 13 Stichen wird die erste und mit 5 die zweite Wunde vernäht und nach ca. 2h sind wir alle etwas zittrig zurück an Bord. Tyrone hat sich die ganze Zeit sehr rührend um Lydia und die Kinder gekümmert und die Jungs vom Haitianischen Schiff im Hafen um SALANA. Leider fressen uns hier die Mücken förmlich auf. Eine solche Plage haben wir bisher noch nicht erlebt und verbarrikadieren uns im Schiff für die Nacht.

Nach dem Schreck kommt die Erkenntnis, dass Christian viel Glück gehabt hat und dass die Verletzungen deutlich schlimmer hätten sein können. Der Windgenerator wird im Hafen nun zukünftig gestoppt und mit einer Leine festgelascht, damit solche Verletzungen nicht mehr passieren können.

Und wir legen nur noch mit der Schokoladenseite an.

Am Tag darauf erkunden wir den Ort, klarieren ein und erfahren einiges bei einer Rundfahrt um die grösste Solar-Meersalz-Fabrik der Welt. In den Seen leben viele tausend Flamingos, die uns mit ihren Farben begeistern. Aktuell werden hier pro Jahr 1,3 Mio Tonnen Salz aus dem Meerwasser gewonnen und in die ganze Welt verschifft. Das Salz wird zum Grossteil als Streugut im Winter verwendet, aber auch als Speisesalz. Besitzer von der Anlage ist die deutsche Firma K+S, von der wir bisher noch nichts gehört haben. Die Deutschen kommen wohl hin und wieder zur Werksbesichtigung, was wir durchaus verstehen können. Ansonsten ist die Insel vom Tourismus noch gänzlich unentdeckt und typisch karibisch sehr sehr entspannt. Niemand möchte einem etwas verkaufen, man findet innerhalb von Minuten eine Mitfahrgelegenheit und wir sind auch Dank unserem Unfall innerhalb kürzester Zeit bekannt auf der ganzen Insel. Im Supermarkt erfreuen wir uns an der Auswahl der Produkte, erfahren aber auch, dass die Obst + Gemüseauswahl auf Cuba besser war, als auf dieser abgelegenen Insel der Bahamas. Das Abendessen im Cozy Corner ist fast noch lustiger als in Kuba. Es gibt von der Speisekarte nur Chicken und Beef-Burger, Käse sei aus, Pommes auch, Cola, Fanta und ähnliches gibt es auch gerade nicht. Bleibt noch Bier und Burger – Welcome to the first world…

Am zweiten Tag kaufen wir noch einmal im Supermarkt ein (z.B. ein kleiner Beutel mit Naschsachen für $20) und verholen anschliessend für den Rest des Tages auf den Ankerplatz, um dort mit dem kostenlosen Internet unsere Mails der letzten 5 Wochen aufzuarbeiten. In Kuba gab es kein nutzbares Internet, was wir aber auch nicht wirklich vermisst haben. Morgen geht es weiter zum Hogsty Reef, dem angeblich einzigen fast ringförmigen Riff im Atlantik. Dort wollen wir 2-3 Tage bleiben, bevor es weiter nach NE durch die Bahamas in Richtung Florida geht.

 

Christian geht es gut, nur der Verband juckt allmählich.

 

Viele Grüsse von Bord,

Team SALANA


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